Der Wettbewerb

Sieht man beim Pflügen zu, so sieht alles recht einfach aus. Wer sich aber selbst einmal an den Pflug wagt, erkennt schnell, dass dieser Eindruck trügt. Der Pflug, der sich dreidimensional im Raum bewegt – vorwärts, seitwärts, nach oben und in die Tiefe – reagiert auf jede feinste Einstellung und jede Bodenveränderung.

In die Prüfungsaufgaben der Wettpflüger sind auf 0,2 Hektar so viele Schwierigkeiten hinein gepackt, dass auch ein mehrere Hektar großer Acker nicht schwieriger zu pflügen wäre. Das Regelwerk der Welt-Pflüger-Organisation enthält dabei folgende Vorgaben:

  • Max. 2 Teilnehmer pro Nation
  • Wettkämpfe im Stoppel- und Graslandpflügen jeweils
    mit Dreh- und Beetpflug
  • Max. 2 bis 3 Schare pro Pflug
  • Max. 3 Räder pro Seite des Drehpflugs
  • Spurhaltesysteme, GPS-Systeme etc. sind nicht erlaubt
  • Wettbewerbsfläche Beetpflug: 100 x 20 Meter (0,2 Hektar)
  • Wettbewerbsfläche Drehpflug: 100 x 24 Meter am einen
    und 16 Meter Breite am anderen Ende (0,2 Hektar)
  • Wettbewerbszeit: 3 Stunden
  • Abweichung der Pflugtiefe max. +/- 2,5 cm


Mittels Punktesystem werden folgende Kriterien der Pflügearbeit bewertet:

Beetpflug:
Die Spaltfurche

Mit dem Ziehen der Spaltfurche beginnt das Vorhaben des Pflügens. Die Spaltfurche dient dem Zweck, das Gesamtziel Unkrautbekämpfung und Unterbringung von Bewuchs auch unter der ersten vollen Furche zu erreichen. Sie muss deshalb auf der gesamten Länge ganz durch­geschnitten sein. Gefordert wird eine gleichmäßige Tiefe sowie Breite und die Gleich­mäßigkeit der heraus gelegten Erdbalken über die ganze Länge der Furche. Alles Unkraut und der Bewuchs müssen abgeschnitten und sauber aus der Furche geräumt sein. Nur so wird sichergestellt, dass der anschließende Rückschlag bzw. der Zusammenschlag beim Beetpflug auch dicht und trittfest aufliegt. Absolut gerade sollte die Spaltfurche sein, weil nur an einer geraden Anfangsfurche die folgenden Furchen ohne Doppelpflügen oder ungepflügte Reste angelegt werden können. Zum Anlegen der Spaltfurche wird im Wettbewerb ein Zeitfenster von 20 Minuten gewährt.

Drehpflug:
Pflügen am Keil

Durch die Trapezform der Dreh­pflug­parzelle ist entlang des Rest­beetes ein Keil auszupflügen. Dies hat so zu geschehen, dass alles Land durchgepflügt ist, keine Löcher oder Hügel entstehen und nichts doppelt gepflügt ist. Der Übergang vom Keil zum Rest­beet muss allen Anforderungen an ein ordentliches Pflügen entsprechen. Die erste durchgehende Furche am Keil muss absolut gerade und auf der ganzen Länge voll ausgebildet sein. Sie sollte in Form und Größe den Furchen des Rest­beetes entsprechen.

Der Zusammenschlag/Rückschlag

Der Zusammenschlag soll gegenüber dem übrigen Beet absolut eben sein. Die beiden Giebelfurchen sollen möglichst flach und dicht geschlossen gegeneinander liegen. Die nächsten Runden werden deutlich tiefer gepflügt. Mit dem höheren Erdauswurf des zweiten Umgangs erreicht man ein ebenes Feld.

Beet- und Drehpflug: Gerade Furchen

Die gerade Furche wird insgesamt viermal, je einmal an der Spalt­furche, dem Zusammen­schlag, der all­gemeinen Arbeit und der End­furche, bewertet.

Gesamteindruck

Die Furchenwendung soll gut und gleichmäßig sein. Die Furchen sollen im Winkel von 135 Grad dicht an­einander liegen. Die Gras­land­furche soll trittfest, kompakt, die Stoppel­furche locker ge­schüttet liegen. Unregel­mäßig­keiten und Löcher führen zum Punktabzug. Gras und Stoppeln müssen unsichtbar sauber untergepflügt werden.

Auseinanderschlag und Endfurche

Bei der Beurteilung der offen liegen bleibenden Schlussfurche müssen die letzten Furchen rechts und links mit einbezogen werden. Die Schluss­furchen müssen gerade und exakt parallel zum Rückschlag verlaufen. Die letzten Furchen neben der offenen Schlussfurche sollen genügend Erde aufweisen, um eine ausreichende Verfüllung zuzulassen. Die Tiefe muss so gewählt sein, dass eine sauber geräumte Schlussfurche zurückbleibt und gleichzeitig eine ordentliche Unkrautbekämpfung gewährleistet ist. Die Schlussfurchen sollen mit dem vorher Gepflügten ein einheitliches Bild ergeben und sie dürfen zur letzten Furche hin keine Stufen auf­weisen. Es darf nur eine Schlepperspur sichtbar sein. Eine weitere Schlepperspur führt zu Punktabzug. Falls das Stützrad benutzt wird, muss dies innerhalb der Schlepperspur laufen.

Einsetzen und Ausheben

Der Pflug soll am Beetende exakt an der Grenzlinie eingesetzt und ausge­hoben werden. Auf dem Vor­ge­wende sollen keine Erd­schollen liegen. Das Gesamtbild soll gleichmäßig sein. Dabei ist zu beachten, dass Mehr­schar­pflüge zum Einsetzen einen gewissen Einzugsbereich brauchen.

Tiefenmessung

Die geforderte Furchentiefe wird vor dem Pflügen bekannt gegeben. Sie ist im Bereich von +/- 2,5 cm einzuhalten und wird von einer ge­sonderten Richtergruppe an mehr­eren Stellen im Beet gemessen.


Bewertungssystem

Teilaspekte Kriterien Max. Punkte
1 Spaltfurche Vollständigkeit der Schnittführung sowie gleichmäßige Breite über die gesamte Länge der Furche 10
2 Rückschlag Keine Stoppeln, Gras oder Unkräuter sichtbar, keine Radspuren 10
3 Rückschlag Alle Furchen gleich hoch und breit, keine Löcher und Hügel vorhanden 10
4 Unkrautkontrolle Keine Stoppeln, Gras oder Unkräuter sichtbar, Vorschäler muss eingesetzt werden 10
5 Lagerung und Rückverfestigung Erdschollen liegen fest und stabil, keine Löcher ersichtlich, keine Radspuren 10
6 Saatbettbereitung Genügend Boden für anschließende Saatbettbereitung vorhanden 10
7 Uniformität der Furchen Alle Furchen gleich hoch und breit, keine Paarung sichtbar 10
8 Einsetzen und Ausheben Schnelles und gleichmäßiges Einsetzen, alles gepflügt, keine Radspuren 10
9 Schlussfurche Ordentlichkeit und Unkrautbekämpfung 10
10 Schlussfurche Geschlossene und gleichmäßige Schlussfurche, Rückschlag sichtbar 10
11 Geradlinigkeit Vier Messungen: Spaltfurche, Rückschlag, Geradheit im ganzen Beet und Endfurche 10
12 Generelles Erscheinungsbild Alle Aspekte ackerbaulich richtiger Arbeit 10

Zusätzliche Kriterien beim Wendepflug

  Teilaspekte Kriterien Max. Punkte
  Pflügen am Keil Komplett durchgezogene Furchen, keine Löcher und Hügel vorhanden 10
  Pflügen am Keil Gleichmäßig anliegende Furchen beim Anschluss am Keil 10

Punktabzüge ergeben sich durch

  Teilaspekte Kriterien Max. Punkte
  Schlepperspur Mehr als eine Schlepperspur bei der Schlussfurche -10
  Zeitstrafen Bei der Spaltfurche je angefangene Minute Überschreitung -2
  Zeitstrafen Am Ende des Wettbewerbs je angefangene Minute Überschreitung -2
  Beetpflug Schlussfurche nicht zum eigenen Zusammenschlag hin -10
  Beetpflug Mehr als eine erlaubte Leerfahrt -10
  Grobe Regelverstöße Unangebrachtes Verhalten, Verstöße gegen die allgemeinen Sicherheitsbestimmungen werden vom Oberrichter mit Strafpunkten belegt