Die Geschichte der Pflügerwettbewerbe in Deutschland

„Es begann nicht mit Kain, sondern mit Abel! Landtechniker Abel hatte irgendwo in der britischen Provinz ein Wettpflügen gesehen und war begeistert. Solche Akkuratesse hatte er zuvor nicht gekannt. Er ergatterte sich die Pflugregeln und schickte sie seinem Freund Walter Feuerlein nach Ulm – der erkannte sofort, dass das der Schlüssel sein könnte. Mit so etwas könnte man junge Bauern für bessere Bodenbearbeitung be­geistern. Ein gutes Beispiel war noch immer besser gewesen als viele kluge Predigten.“ So Karl-Heinz Gebbers, ehem. Chef der Landjugend­berater in Bonn.

So die Überlieferung aus den 50ern über die Anfänge des Wettpflügens in Deutschland. Der gerade zu Ende gegangene zweite Weltkrieg hatte jede Weiterentwicklung der Landwirtschaft unterbunden. Zu großen Teilen wurde die Bodenbearbeitung noch mit Pferde- oder Ochsengespannen durchgeführt. Umso größer war die Begeisterung für alles Neue – wie z.B. einem Pflügerwettbewerb. Walter Feuerlein, der als Pflugspezialist bei 

der Pflugfabrik Eberhard in Ulm arbeitete, begann mit der Organisation der ersten Pflügerwettbewerbe in Deutschland und wurde damit zum Begründer des Wettpflügens hierzulande.

Nach einigen kleineren Landesentscheiden fand 1953 der erste Bundeswettbewerb in Bonn statt, im selben Jahr in dem auch die erste Weltmeisterschaft im Wettpflügen veranstaltet wurde. An der in Kanada ausgetragenen Weltpflügermeisterschaft konnte jedoch nur teilnehmen, wer sich zuvor als erster oder zweiter Landessieger in seinem Herkunftsland qualifiziert hatte. Um die Bedeutung der ersten deutschen Meisterschaft zu unterstreichen, kam der Generalsekretär der im Jahr zuvor begründeten Welt-Pflüger-Organisation (WPO), Alfred Hall, höchstpersönlich nach Bonn. Hall, Journalist und Rundfunkmoderator, sah in der Verwirklichung der Weltpflügermeisterschaft sein Lebenswerk und war 40 Jahre lang als Generalsekretär der WPO tätig.


Welt-Pflüger-Organisation (WPO)

Am 5. Februar 1952 wurde die Gründung der WPO in Großbritannien vollzogen, mit folgenden Zielen:

  • Förderung von Kunst und Geschicklichkeit im Pflügen
  • Veranstaltung von Weltpflügen
  • Organisation und Durchführung von Vorführungen und Ausstellungen
  • Unterstützung und Hilfe bei technischen Entwicklungen
  • Förderung der Nahrungsmittelproduktion für die wachsende Weltbevölkerung
  • Zusammenarbeit mit allen Organisationen und Gruppen, die die vorgenannten Ziele unterstützen
  • Kameradschaft und Verständnis zwischen allen Mitgliedsländern

Der Geist der WPO war in den vergangenen Jahren so gut, dass die Mitgliederzahl kontinuierlich auf heute über 30 Mitgliedernationen anwuchs.

worldploughing.org


Deutschland wird Gastgeber der Weltpflügermeisterschaft

Im Jahr 1958, wenige Jahre nach Gründung der WPO, wurde Deutschland zum ersten Mal Gastgeber der Weltpflügermeisterschaft. Die zu diesem Zeitpunkt genau 140 Jahre alte Landwirtschaftliche Hochschule in Stuttgart-Hohenheim und die in unmittelbarer Nähe zur Hochschule neu erbaute Genossenschaftsschule waren der perfekte Austragungsort für dieses Großereignis, für das der damals amtierende Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Theodor Heuss, die Schirm­herr­schaft übernahm. Mit der im Rahmen der Weltpflügermeisterschaft durchgeführten Pflugschau, die unter dem Motto „Vom Dampfpflug Max Eyths zum Anbaupflug 1958“ stattfand, wurde dem Schwaben Max Eyth gedacht, der bereits 100 Jahre zuvor mit seinen Dampfpflügen durch die Welt zog und zum Pionier der Landtechnik wurde.

Im Jahr 1978, zwanzig Jahre später, wurde das Hofgut Wickstadt in Hessen zum Austragungsort der zweiten in Deutschland abgehaltenen Weltpflügermeisterschaft.

Weitere zwanzig Jahre später folgte 1998 Landshut in Bayern als Austragungsort. Die letzte in Deutschland durchgeführte Weltpflügermeisterschaft war allein schon auf Grund des nicht abreisenden Dauerregens zu einem eindrücklichen Ereignis für alle Besucher geworden.


Gründung des Deutschen Pflügerrats e.V.

Bis 1990 wurde in Deutschland das DDR-Pflügen veranstaltet. Das Reglement der Wettbewerbe in der DDR war dabei umfassender als diejenigen in Westdeutschland. Diese Zweiteilung brachte bei der Weltmeisterschaft 1965 in Norwegen Probleme mit sich. Auf Grund der zu dieser Zeit stark angespannten Beziehung zwischen Ost- und Westdeutschland wollte die westdeutsche Mannschaft ihre Teilnahme auf Grund des Antretens der DDR-Mannschaft beinahe wieder zurückziehen.

Um diese Komplikationen bei nachfolgenden Wettbewerben zu vermeiden, sollten die Mannschaften zukünftig durch einen Verein international vertreten werden.
So wurde 1968 der Deutsche Pflügerrat e.V. gegründet, der seit dem Veranstalter der Landeswettbewerbe in ganz Deutschland sowie der nach zwanzig Jahren wieder in Deutschland stattfindenden Weltpflügermeisterschaft 2018 ist.